Body & Soul Lifestyle

Die Maske, die nicht sitzen mag

Bild von lounis production auf Pixabay

Menschen in meinem Leben kommen und gehen. Und diejenigen, die gehen, hinterlassen immer einen Eindruck bei mir. Und manche sogar einen bleibenden, der mich manchmal auch inspiriert. Eine chinesische Weisheit besagt, dass die Menschen, die in dein Leben treten, entweder deine Freunde oder deine Lehrmeister sind.  Eine sinnlose oder unnötige Begegnung gibt es demnach für mich nicht. Verursacht jemand einen bleibenden, vielleicht sogar schmerzhaften Eindruck, dann muss ich darüber schreiben und meine Gedanken dadurch ordnen. Diese Menschen inspirieren mich dazu, mich selbst völlig neu zu reflektieren. Und das hilft mir dann, für meine persönliche Weiterentwicklung. Mit diesen Gedanken, ist es mir möglich alles zu überwinden und den Sinn hinter allem zu erkennen. Und wenn ich dann den Eindruck habe, dass die geschriebenen Zeilen wem nutzen könnten, dann veröffentliche ich diese.

Ich höre hin und wieder von den unterschiedlichsten Leuten, dass sie es so bewundern, wie ich doch mit mir selbst im Reinen sei. Bin ich das aber wirklich? Ist es nicht auch nur eine Maske die ich trage? Dass ich nur vorgebe, so authentisch zu sein. Wann setze ich vielleicht eine Maske auf und bei wem lege ich sie wieder ab? Und ist es vielleicht einfach nur so, dass meine Maske, im Vergleich zu den der anderen, perfekt sitzt?

Durch meinen Schlaganfall, den tiefsten Tiefschlag meines bisherigen Lebens, hab ich eine Sache gelernt, und zwar, dass es das absolut wichtigste ist, die Momente, die dir das Leben bringt, vollends auszukosten. Das ist meiner Meinung nach eine Gabe, die leider nicht viele besitzen. Das ist die Gabe, sich selbst zu leben. Seine ganz eigene Wahrheit zu leben. Aber spiele ich vielleicht auch nur die Stärke vor, der ich mächtig zu sein scheine? Oder kann ich auch einfach nur meine Schwächen nicht zugeben?

Ja, eines fällt mir tatsächlich schwer und zwar vor anderen zu weinen. Das mache ich nur heimlich daheim, wenn es ja keiner mitbekommt. Aber die vielen anderen Emotionen, die ich empfinde, kann ich eben nicht überspielen. Nein, ich möchte sie sogar auskosten, aussaugen. Stundenlang alleine weinen und mir sagen es wird nicht mehr gut. Wie kann es jetzt nur wieder möglich sein, aufzustehen? Nein, das kann nicht nur vorgespielt sein, diese Stärke.

Leider passiert es mir immer wieder, dass ich mich so fühle, als würde mich jemand mit voller Wucht auf den Boden werfen. Als wär es mir nun tatsächlich nicht mehr möglich, aufzustehen. Was mir in solchen Momenten hilft, ist allein die Annahme, dass es mit Sicherheit wieder besser wird. Die Gewissheit, dass mir das Leben nur das zumutet, was ich auch überwinden kann.

Der wesentlichste Faktor meiner Persönlichkeit, ist für mich die Authentizität. Für mich ist es absolut wichtig, authentisch zu sein und damit meine Wahrheit zu leben. Nicht etwas vorgeben, was ich nicht bin. Das würde mir einfach zu viel Energie rauben. Die Energie, die ich zum Überleben brauche. Die mir vielleicht durch mein Handicap fehlt und ich damit einfach nicht zur Verfügung habe. Somit bin ich dazu gezwungen, authentisch zu sein. Mir bleibt eben nichts anderes übrig. Und es ist ein Geschenk, das es zu schätzen gilt. Denn, was viele andere nicht können, die authentische Darstellung von sich selbst, meistere ich vermeintlich spielend. Für mich ist es vielleicht sogar ein völlig normaler Überlebensmechanismus.

„Ach Erika, jetzt reiß dich doch mal zusammen! Sei nicht so laut und rede nicht immer so offen über alles. Über manches muss man einfach nicht reden.“ Standardsätze aus dem Reportair der Sätze, die ich mir schon mal öfter anhören muss. Vor allem in Bezug darauf, dass ich meine Emotionen immer hemmungslos auslebe. Ich lache laut, sage Dinge oft zu direkt und unverblümt. Ich fühle mich meist im Hier und Jetzt und versuche jeden Moment auszukosten. Auch den Schmerz. Warum sagen Menschen, dass ich mich zurückhalten soll? Vielleicht weil sie Angst haben, ihre eigene Wahrheit zu leben. Weil sie Angst vor dem haben, was sich dabei zeigen würde? Oder weil sie es einfach nicht können? Weil es besser ist cool zu sein, weil es besser ist, nicht zu zeigen, was man wirklich fühlt. Weil es viel besser ist unnahbar zu wirken. Weil es damit möglich ist, keine Verletzungen zuzulassen.

Aber was will ich denn mit so einem Leben? Ist es nicht viel besser zu leben, mit all dem Drumherum, mit allen Höhen und Tiefen, mit all dem Schmerz und all dem Leid und jeder einzelnen Enttäuschung. Ich denke, dass es das wert ist. Ist es nicht das, was Leben bedeutet? Oder will ich ein Leben anstreben, das mich vor Verletzungen schützt, aber mir leer erscheint? Würde das nicht zwangsläufig bedeuten, dass ich dann auch keine Freude und kein Glück empfinden würde.  Oder zumindest nur in abgeschwächter Form. Der Beat meines Lebens würde dann aber irgendwie nur mehr sehr schwach erscheinen. Weder ganz hohe, noch ganz tiefe Töne und schon gar kein Gitarren-Solo, das mich begleitet. Nein, ich will die ganz hohen und auch die ganz tiefen Töne, in so kurzen Intervallen wie möglich. Ich will das Leben lieber auskosten, bis auf den letzten Tropfen. Denn umso tiefer das Tief ist, umso höher ist das Hoch danach. Denn nur dann habe ich unendliche viele Geschichten zu erzählen. Egal ob positive oder negative. Ich will ein intensives Leben, voller dramatischer Erinnerungen. Voller Gedanken, voller Emotionen, voller Höhe und voller Tiefe.

Genau das ist es, was wir machen sollten. Nicht, die coole Rolle zu spielen. Uns nicht die coole Maske aufzusetzen. Legen wir doch alle die coole Maske ab. Zeigen wir wer wir wirklich sind und was wir wirklich fühlen. Und wenn das jeder macht, dann wird es auch bald niemandem mehr schwer fallen, seine eigene Wahrheit zu leben. Und genau das sollte unser Ziel sein und nicht, dass unsere Maske perfekt sitzt. Denn keine Maske tut das. Irgendwann tritt dann doch jemand in dein Leben um dich dieser, nicht ganz perfekt sitzenden Maske, zu entledigen. Um dann festzustellen, wer du wirklich bist und dann ist sie ohnehin überflüssig, diese Maske. Dann wird entlarvt, wer du eben nicht sein kannst und auch nicht sein sollst.

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