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Jobsuche mit Handicap – Wie es wirklich ist… Teil 2

Bild von Karolina Grabowska auf Pixabay 

Nach Abschluss meiner Ausbildung zur Versicherungskauffrau musste ich leider feststellen, dass eine Außendiensttätigkeit auch nicht wirklich easy ist, mit meinem Handicap. Autofahren mit spastischer Hemiparese ist grundsätzlich nicht unbedingt das einfachste und dann auch noch den Laptop-Koffer zu jedem Termin mitschleppen, ließ mich langsam aber sicher verzweifeln. Als ich es nicht mehr aushielt kündigte ich schließlich und meldete mich arbeitslos.

„Sie müssen sich darauf einstellen, dass sie mindestens ein Jahr arbeitslos sein werden.“

Als Person mit körperlicher Behinderung wurde mir ein bestimmten Betreuer beim AMS zugewiesen. Seine Worte bei unserem ersten Termin werde ich wohl nie vergessen, die folgendermaßen lauteten: „Ich möchte Ihnen nichts vormachen Frau Griessler, mit Ihrer Behinderung gehören Sie zu den sehr schwer vermittelbaren Fällen. Sie müssen sich darauf einstellen, dass sie mindestens ein Jahr arbeitslos sein werden.“ Ich kämpfte damals damit, meine Beherrschung zu bewahren und nicht in Tränen auszubrechen. Wie kann das nur sein? Jetzt hatte ich doch bereits zwei Ausbildungen in der Tasche, einen Handelsschulabschluss und ein Lehrabschluss. Trotzdem soll meine Arbeitskraft für niemanden brauchbar sein? Ich kannte es aus meiner Familie und meinem Freundeskreis, dass maximal fünf Bewerbungen verschickt wurden und man dann einen Job hatte. Floskeln wie „Wer wirklich arbeiten möchte, findet auch Arbeit.“ hörte ich Bei mir schien es hingegen, als hätte ich null Chancen etwas zu finden. Ich fühlte mich wertlos und alle meine Zukunftsperspektiven scheinen sich in Luft aufzulösen. Am liebsten hätte ich einfach aufgeben und mich in meinem Selbstmitleid gesuhlt. Aber dann wäre ich vermutlich tatsächlich mein halbes künftiges Leben arbeitslos gewesen und das hätte dann auch noch meine psychische Gesundheit enorm gefährdet. Aufgeben lag mir fern und ich beschloss mich reinzuhängen und für ein gutes, selbst bestimmtes Leben zu kämpfen.

Behinderung in der Bewerbung angeben oder nicht?

Bei dieser Jobsuche bewies ich bereits etwas mehr Mut, also versuchte ich, mein Handicap im Lebenslauf anzugeben. Das brachte mir jedoch nur semi-gute Erfolge. Ich erkannte schnell, dass auf keine Bewerbung, in der ich meine Behinderung anführte, eine Einladung zum persönlichen Gespräch folgte. Also verschwieg ich es wieder, da es mir so unmöglich sein würde, eine neue Stelle zu finden. Was mich natürlich wieder in die unangenehme Situation brachte, es bei den Vorstellungsgesprächen aufzuklären zu müssen.

An eine konkrete Situation kann ich mich noch sehr genau erinnern. Die Personalerin war anfangs sichtlich überzeugt von mir, stellte mir viele Fragen und machte sich eifrig Notizen in ihren Unterlagen. Dann sprach sie mich schließlich auf mein Hinken an und rechnete wahrscheinlich damit, dass es auf etwas zurückzuführen wäre, was wieder vergeht. Als ich ihr dann meine Geschichte schilderte, sah sie mich etwas schockiert an und vermittelte mir schließlich ihr Bedauern. Dann schlug sie ihre Mappe zu und schob sie zur Seite. Zwei Tage später hatte ich die Absage im Postkarten. Natürlich ist das reine Spekulation, dass es an meiner körperlichen Einschränkung lag, es fühlte sich für mich jedoch so an, als ob sie sich nach meiner Offenbarung gar keine Notizen mehr machen müsse, weil es sich damit ohnehin erledigt hätte. Erfahrungen mit solchen Reaktionen hatte ich leider einige.

Das Blatt wendete sich bei mir erst, als ich mir kompetente Unterstützung holte

Verzweifelt wandte ich mich schließlich an das Bundessozialamt, in der Hoffnung, dass sie mich bei meiner Jobsuche unterstützen könnten. Ich bezweifelte, nach wieder einmal über fünfzig erfolglosen Bewerbungen, dass ich alleine etwas erreichen würde. Meine zuständige Betreuerin stellte sich als große Bereicherung für mich heraus. Sie hatte auch bereits ein paar Adressen zur Hand, wo ich mich vorstellen könne, was ich auch sofort machte. Ein Vollzeit-Praktikum in einem Archiv und eine Büro-Teilzeitstelle bei einem Sozialmarkt. Beides jedoch nur für ein halbes Jahr befristet.

Es folgte zwei Vorstellungsgespräche und darauffolgenden zwei Zusagen. Plötzlich ging es wieder bergauf. Die Tatsache, dass mich jemand einstellen wollte, löste in mir ein unbeschreiblich gutes Gefühl aus. Zudem erfuhr ich auch noch davon, dass es im öffentlichen Dienst immer wieder Stellen für begünstigt behinderte Menschen gab und absolvierte hierfür einen Aufnahmetest. Und dann trat tatsächlich das ein, woran ich nicht mehr zu glauben wagte, ich bekam ebenso eine Zusage von der Gebietskörperschaft. Ich machte Luftsprünge als ich den Anruf erhielt.

Mein Fazit: Ohne Unterstützung sieht es schlecht aus

Mein Fazit ist nun, dass man bei der Jobsuche mit einem Handicap alleine und ohne Arbeitsstellen, die speziell für Menschen mit Behinderung geschaffen oder frei gehalten werden, ziemlich schlecht dran ist. Ich finde es nach wie vor schrecklich, dass man sich die Frage überhaupt stellen muss, ob man eine Behinderung in der Bewerbung angeben soll oder nicht. Das sollte de facto keine Rolle spielen. Das Handicap in der Bewerbung angeben, würde ich ehrlich gesagt nicht mehr machen. Wenn man von sich selbst überzeugt ist, dass man die Arbeit genauso gut erledigen kann, wie jemand ohne Einschränkung, reicht auch eine Klarstellung bei einem persönlichen Gespräche, wenn es denn überhaupt so weit kommt.

Im Grunde weiß man nie, ob es nicht auch einen gesunden Menschen trifft, den man einstellt, der dann eben nicht mehr die erwartete Leistung bringen kann. Und wie viel jemand im Endeffekt wirklich schafft, behindert oder nicht, lässt sich ohnehin erst nach der Aufnahme im Unternehmen feststellen. Die Sinnhaftigkeit unserer Leistungsgesellschaft jetzt mal dahingestellt. Es ist ziemlich erniedrigend, dass man offenbar weniger wert zu sein scheint, obwohl man vermutlich das selbe leisten kann, wie eine Person, die eben nicht eingeschränkt ist. In diesem Sinne…

Alles Liebe

Eure Erika


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