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#Ableismtellsme – Was ich dazu sagen möchte

Bild von Manfred Antranias Zimmer auf Pixabay

Obwohl Ableismus für mich selbst seit meinem Schlaganfall ein fixer Bestandteil meines Lebens ist, schockieren mich die Aussagen, die unter dem Hashtag #ableismtellsme zu finden sind immens. Man liest dort Dinge, die mich extrem wütend machen. Man solle zum Beispiel seine Behinderung verstecken. Man würde damit auf die Schwächen der Menschheit hinweisen. Klar, keiner will wissen, das einem das auch mal blühen könnte. Man liest auch, dass man nicht so viel wert sei, wie ein gesunder Mensch. Es reichen nicht die komische Blicke, die man regelmäßig bekommt, sondern man soll sich am besten auch noch vom öffentlichen Leben fern halten um niemanden zu belästigen.

Es reicht offenbar nicht, dass man ohnehin wesentlich schlechtere Jobchancen hat, viele Aktivitäten einfach nicht machen kann, die für andere völlig normal sind und einem der Alltag viel schwerer fällt, als uneingeschränkten Menschen. Nein, man soll sich auch noch aus der Öffentlichkeit fernhalten. Was sind das für Menschen, die so etwas von einer Person erwarten, die ohnehin schon mit Andersartigkeit und erschwerten Lebensbedingungen kämpfen muss? Es wundert mich nicht, dass man teilweise so wenig Menschen mit Handicap im öffentlichen Leben antrifft.

Auch für mich gehört Ableismus leider noch immer zur Normalität. Absurderweise habe ich daher auch schon mal das Gefühl, dass das Verhalten der Menschen richtig sei und deshalb versuche ich es zu verstehen. Aber ist Verständnis für Diskriminierung überhaupt möglich? Wahrscheinlich nicht für Menschen wie mich. Was bewegt gesunde ungehandicapte Menschen dazu, behinderte Mitmenschen mit solcher Ablehnung und Ignoranz zu begegnen? Kaum zu glauben, aber es passiert mir auch durch Menschen, die mir sehr nahe stehen.

Vielleicht ist es Neid, dass andere etwas bekommen, was man selbst nicht hat? Klingt für mich aber trotzdem extrem komisch. Auf was ist man denn bitte neidisch? Das Menschen mit Behinderungen kleine Erleichterungen bekommen, weil sie eben schwer beeinträchtigt sind? Dass man eine kleine steuerliche Befreiung, einfachere Parkmöglichkeiten oder erleichtere Bedingungen im Rahmen von Arbeit und Studium erhält, als Ausgleich dafür, dass man sich beispielsweise jeden Tag mit spastischen Krämpfen oder Lähmungen herumschlägt oder sogar auf einen Rollstuhl angewiesen ist? Stattdessen sind uns doch viele Dinge, die für andere völlig normal sind, wie zum Beispiel einen Spaziergang machen, vielleicht gar nicht möglich oder müssen genauestens geplant werden.

Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass ein völlig gesunder Mensch ernsthaft mit uns tauschen wollen würde. Spätestens nach ein paar Stunden würde es jedem vergehen und derjenige würde sich seine physische oder psychische Unversehrtheit sofort wieder zurückwünschen.

Ja, wir wollen unseren Beitrag leisten und mit gleich viel Respekt behandelt werden, wie ein „normaler“ Mensch, aber wir können de facto nicht haargenau das gleiche, auf gleiche Art und Weise leisten, wie jemand, der immer unversehrt war und ist. Und diejenigen, die es schaffen, sind vermutlich ohnehin völlig überlastet und trauen es sich nicht zuzugeben um nicht dem Vorurteil ausgesetzt zu werden, dass man seine Behinderung ausnütze um nichts arbeiten zu müssen. Trotzdem sind es gerade Menschen mit Handicap, die oftmals besonders ehrgeizig sind.

Zu guter Letzt ein kleiner Auszug aus meinen Erfahrungen zum Thema Ableismus.

#Ableismtellsme

…dass ich nicht behindert genug bin um darüber sprechen zu dürfen, dass mir das Leben durch die Einschränkung oft schwer fällt.

…dass ich den Behindertenparkplatz zu Unrecht benutze, da gäbe es ja viel schlimmere Fälle als mich, die ihn dringender brauchen.

…dass ich meine Behinderung ausnutzen würde, um nicht die Leistung im Job erbringen zu müssen, die ich eigentlich sollte, obwohl ich nach meinem Gefühl nach alles gebe.

…dass ich doch eh gesund bin und mich nicht so anstellen solle, nur wegen dem bisschen Hinken und der Lähmung in der Hand…

…dass es eigentlich unfair ist, wenn Menschen mit Handicap mehr Urlaub haben als andere oder steuerliche Ermäßigungen bekommen.

…dass man froh sein muss, dass man nichts Schlimmeres hat, wie zum Beispiel Krebs.

…dass man es doch verstehen müsse, wenn unternehmen Leute mit Behinderung nicht haben wollen, da das Einstellen eines behinderten Menschen enorme Einbußen für Unternehmer bedeuten würde.

…dass ich mich nicht immer auf meine Behinderung hinausreden soll, wenn ich gewisse körperliche Arbeiten nicht machen kann. Sonst würde ich doch auch gleichgestellt werden wollen.

…dass man sich nichts einbilden brauche, ein Studium mit Handicap geschafft zu haben, denn das ist für alle nicht einfach.

Leider könnte ich diese Liste noch ein ganz schönes Stückchen weiter führen…

Eure Erika

1 Kommentar zu “#Ableismtellsme – Was ich dazu sagen möchte

  1. Sehr guter Beitrag, finde ich, zu einem wichtigen Thema. Menschen können (aus Neid oder eigener Unzufriedenheit?) manchmal sehr engherzig und gemein sein. Nicht davon entmutigen lassen!😊 Herzlichen Gruß, Sarah (mutter-und-sohn.blog)

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