Body & Soul

Mein Corona-Feedback mit Handicap

Bild von Free-Photos auf Pixabay 

Natürlich war auch für mich die „Corona-Zeit“ geprägt von Home Office und der damit verbundenen Einsamkeit. Nach der Trennung von meinem Mann, kurz vor Beginn der Ausgangsbeschränkungen, fühlte ich mich teils völlig isoliert von der Außenwelt. Manche Dinge entpuppten sich jedoch als enorme Erleichterung.

Einkaufen ohne Hektik

Dass die Leute hinter mir an der Supermarkt-Kasse nervös wurden, weil ich nach ihrem Geschmack zu langsam war, kam schon mal vor. Mit nur einer einwandfrei funktionierenden Hand, braucht man eben länger um alle Lebensmittel wieder einzuräumen. Die Person hinter mir rückte in solchen Situationen mit dem Einkaufswagen immer näher und vermittelte damit bewusst oder auch unbewusst, dass man sich beeilen soll. Mit Corona und den Abstandsregeln hat sich das jedoch vorübergehen geändert. Plötzlich hatte man alle Zeit der Welt und es kam auch schon mal vor, dass eine Kassiererin dem Kunden hinter mir zurief „Halten Sie Abstand und lassen Sie die Dame bitte alles in Ruhe auflegen.“ Könnte meiner Meinung nach gerne so bleiben.

Weniger und stressfreier Autofahren

Auch Autofahren gestaltete sich für mich deutlich angenehmer. Meistens musste ich gar nicht ins Büro, was für mich natürlich am optimalsten war. Öffentliche Verkehrsmittel mit einer körperlichen Einschränkung zu verwenden, ist nicht gerade einfach, daher nutze ich immer mein Auto. Auto fahren mit einer spastischen Hemiparese? Möglich, aber natürlich nicht ganz einfach. Und wenn ich dann doch mal ins Büro musste, fand man zum einen sehr schnell einen geeigneten Parkplatz, von dem es nicht allzu weit ins Büro war. Zum anderen war der Verkehr generell eher entspannend. Keiner, der dir zu nahe auffuhr  und damit Unruhe in dir auslöste. Für Menschen mit Behinderung wäre es mit Sicherheit eine enorme Erleichterung, wenn auch künftig mehr Home office Tage möglich wären.

Mehr Zeit und Energie für Bewegung und Therapie

Die Zeit und Energie die ich dadurch sparte, dass ich nicht pendeln musste, versuchte ich vermehrt für Bewegung zu nutzen.  Gleich nach Dienstende, holte ich meine Yoga-Matte, um ein paar Übungen zu machen. Normalerweise wär ich zu der Zeit noch im Auto gesessen und hätte nach Ankunft daheim, erstmal eine Pause gebraucht, um sich später dann nicht mehr für Bewegung aufraffen zu können. Ebenso ging ich mit wesentlich mehr Achtsamkeit durchs Leben und versuchte meine eingeschränkte Hand mehr im Alltag einzusetzen.

Mehr miteinander

Abgesehen von den anfänglichen Hamsterkäufen von Klopapier und Nudeln, hatte ich das Gefühl, dass man emotional wieder etwas mehr zusammen rückte und man mehr aufeinander schaute. Man erkundigte sich öfter nach seinen Lieben, kümmerte sich umeinander und nahm sich mehr Zeit für seine Mitmenschen. Mit meinen Freunden führte ich regelmäßige Telefonkonferenzen ein, was für uns viel regelmäßigeren Kontakt bedeutete. Irgendwie war es einfacher eine Stunde zum Telefonieren zu organisieren, als ein persönliches Treffen, das teilweise weite Anreisen mit sich gebracht hätten. Auch das möchte ich unbedingt beibehalten.

Alles in allem hatte diese Zeit auch viel Gutes, das ich nicht mehr missen möchte und ich wünsche mir, dass wir einiges davon einbehalten können.

Über mrsstroke

…eine Frau mit Kurven, ein Bauernkind, ein Familienmensch, eine Naturliebhaberin, eine Träumerin, eine Genießerin, definitiv nicht normal und auch eine Schlaganfallüberlebende.

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