Body & Soul Lifestyle

Running with the flow

Über den Mut sich einfach treiben zu lassen

Seit meinem Schlaganfall wollte ich immer nur eines: Normal sein! Alles schaffen, was andere ohne Beeinträchtigung auch schaffen. Und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Um allen zu zeigen, dass man nicht faul, bemitleidenswert oder schwach ist, sondern eher bewundernswert. Was dazu führte, dass ich mich chronisch überlastete. Dass man nach einem so heftigen Schlaganfall einfach nicht mehr so belastbar sein kann, wie ein völlig gesunder junger Mensch, wollte ich einfach nicht wahr haben.

Einfach die Kontrolle abzugeben und schauen was passiert, war also noch nie mein Fall.

Wenn ich nicht alles bis ins kleinste Detail durchgedacht und durchgeplant hatte, konnte ich mich nicht entspannen. Egal ob es um Prüfungen während meines Studiums, um den Ausbau meines Hauses oder meine Hochzeit ging. Es war grundsätzlich immer meine erste Devise, dass alles in sich zusammen brechen würde, wenn ich das Leben einfach nur auf mich zukommen ließ. Außerdem wär da keiner der mich auffangen würde.

Meine Gedanken sahen immer so aus: Ich werde das Leben genießen, sobald ich den und den Bereich abgeschlossen hatte (z. B. Ausbildungen, Ausbau, usw.). Irgendwie kam dieser Punkt jedoch nie, denn ständig stand ein neues Projekt am Programm, das mich davon abhielt, das Leben auszukosten. Die Leichtigkeit blieb auf der Strecke und alles fühlte sich irgendwie erzwungen an. Ich war einfach der festen Überzeugung, dass das Lebe einfach so ablaufen müsse. Das geht doch jedem so, jeder quält sich einfach nur irgendwie durch.

Nicht einmal die Tatsache, dass die Verengungen meiner Cerebri Media von meinem damaligen Schlaganfall wieder zugingen, hielt mich davon ab den Ausbau meines Hauses und die Hochzeit innerhalb eines Jahres durchzuziehen. Jetzt weiß ich jedoch, dass diese Art zu leben ein Selbstmordkommando war, das irgendwann schlimme Auswirkungen gehabt hätte.

My new easygoing lifestyle

Jetzt aber sieht mein Leben ganz anders aus. Ich komme oft zu spät oder vergesse darauf Dinge zu erledigen, weil ich mich beim Musik hören und Kaffee trinken verzettle. Rechnungen zahle ich auf den letzten Drücker und es trudelt auch schon mal die ein oder andere Mahnung ein. Das wäre für mein früheres Ich einfach undenkbar gewesen. Meine Woche war penibel durchgeplant. Ich wusste genau, was ich an welchem Tag essen werde, wann ich einkaufen gehe, wann ich putze, wann ich meine Familie besuche und, und, und. Jetzt esse ich meistens Reste die so gar nicht zusammen passen, weil ich einfach lieber meine Katze streichle als einkaufen zu fahren. Ich mache ständig Dinge, von denen ich nie gedacht hätte, diese jemals zu tun und sprenge damit permanent meine Vorstellungen über das mir Mögliche. Zudem habe ich unglaublich interessante Menschen in meinem Leben, die mir dies ermöglichen. Klingt fast so, als hätte ich die Kontrolle über mein Leben verloren, oder? Das hätte ich mir zumindest über jemandem gedacht, der so lebt.

Das erste Mal in meinem Leben, steht Spaß und Genuss an oberster Stelle für mich.

Nicht mal als Teenager lebte ich so unbeschwert. Noch nie fühlte ich mich freier als heute und noch nie hatte ich so viel Energie. Alles fällt plötzlich so leicht und vieles regelt sich von selbst, auch wenn man nichts dafür tut. Vor kurzem hätte ich noch krampfhaft versucht, alles zurecht zu biegen, was nicht in meinen Ablaufplan passte. Wenn vor einem Jahr etwas schief ging, dann bekam ich einen Wutanfall, nun ist es eher ein Lachanfall. Ärgern muss ich mich nur mehr sehr selten und dass ich DAS einmal sagen würde, hätte ich mir nie und nimmer gedacht.

„Was kommen soll kommt und was gehen soll, geht“

Diesen Satz singt Adel Tawil in dem Song „Vielleicht“. und genau diese Worte beschreiben meine aktuelle Lebensweise am besten.  Egal wie schwierig die finanzielle Situation nun scheint, irgendwie wird es wieder gehen. Diese Situation möchte ich dafür nutzen um mein Leben so minimalistisch wie nur möglich zu gestalten. Das bedeutet für mich, nur mehr das aller notwendigste kaufen und stattdessen viele schöne Momente mit meinen Lieblingsmenschen sammeln. (An dieser Stelle ein großes Danke an meine Freunde, die nichts von dem was ich jetzt so mache, abschreckt und mich trotz allem mögen, so wie ich eben bin.) Alles verkaufen und verschenken, was ich nicht nutze und somit Klarheit rund um mich schaffen. Das Chaos in meinem Kopf ist schon groß genug. 😉 Das erste Mal in meinem Leben hab ich weder einen 5-Jahres- noch einen 10-Jahres-Plan. Wie es weiter geht, weiß ich nicht, aber das fühlt sich so verdammt gut an.

Eure Erika

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