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Credo-Essay: Durch einen Schicksalsschlag alles erreichen können

Bild von Andrea Fahrafellner

Bevor das Leben noch so halbwegs normal war, also bevor es das Corona-Virus so richtig auf den Kopf stellte, durfte ich ein unglaublich tolles Schreib-Seminar im Writers Studio in Wien besuchen. Im Zuge dessen verfasste ich ein sehr emotionales Credo-Essay, das ich nun gerne mit euch teilen würde:

Durch einen Schicksalsschlag alles erreichen können

Als ich die Grußkarte meiner äußerst erfolgreichen Freundin lese, die mir stets ein großes Vorbild war, zieht es mich innerlich zusammen. Sie schreibt zusammengefasst, ich solle doch zufrieden sein, mit dem was ich bis jetzt erreicht habe. Denn nicht einmal körperlich völlig intakte Menschen würden es schaffen, all ihre Träume umzusetzen. Anstatt mich zu trösten, entsetzen mich diese Worte, da sie meiner inneren Haltung so gar nicht entsprechen. Natürlich bin ich nicht ganz unschuldig daran, dass sie mir so etwas mitteilen möchte. Es kommt schon mal vor, dass ich darüber klage, wie schwierig denn nicht alles sei, wenn man eine körperliche Einschränkung hat.

„Das wird doch nichts“

Stimmen aus dem Bekanntenkreis sagen mir „Das wird doch nichts“ oder „Das wird dir doch zu viel werden“ und versuchen mich an der Durchführung meiner Ziele zu hindern. Es kommt mir vor wie die Geschichte der Krebse im Eimer, die eine, die es schon sehr weit geschafft hat, wieder runter ziehen wollen, damit es allen gleich schlecht geht. Obwohl das nicht immer so war, bin ich mittlerweile der festen Überzeugung, dass mich mein Schlaganfall nicht geschwächt hat. Er hat mich gestärkt und zu einer außergewöhnlichen Person gemacht.

„Danke, dass du dich um unsere Erika so annimmst“

„Danke, dass du dich um unsere Erika so annimmst“, sagten Familienmitglieder vor nicht so langer Zeit zu meinem Exmann. Dass sie dadurch meinen Ehrgeiz, eine völlig unabhängige und selbstständige Frau zu sein, noch mehr vorantrieben, war ihnen dabei wohl nicht bewusst. Ich bezeichne mich als unabhängige und starke Frau, die den Mut aufbringen kann, sich alles zu trauen. Sei es ein berufsbegleitendes Studium,  seine Geschichte öffentlich zu erzählen oder eine Scheidung. Es geht vermutlich vielen so. Wir trauen uns nicht, weil einem gesagt wird, man müsse sich mit dem zufrieden geben was man hat. Gerade dann, wenn man eine körperliche Einschränkung hat.

Mein größtes Ziel

Mein größtes Ziel ist es, ein Vorbild für alle jungen Frauen mit einer körperlichen Behinderung zu sein. Ihnen zeigen, dass sie nur lernen müssen, wie sie ihren Nachteil zu ihrem Vorteil wenden. Sich niemals von alteingesessenen, höchst konservativen Vorstellungen unserer Gesellschaft beeinflussen lassen, sondern zu rebellieren und zu zeigen, dass man sich nicht von deren Meinung beeinflussen lässt. Das einzige, was man dafür braucht, sind die richtigen Menschen, die dich bedingungslos so akzeptieren, wie du bist und dich in deiner Individualität unterstützen und stärken.

Ich sagte meiner Freundin nicht, was ich mir wirklich über ihre Worte gedacht habe. Sie würde es ohnehin nicht verstehen wollen. Vielleicht ist sie ja auch nur einer der Krebse im Eimer, der einen wieder runterziehen möchte. Ich denke, dass mich das Schicksal dieser armen Krebse nicht ereilen wird, sondern, dass für mich ein ganz besonderer Weg bestimmt ist.

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