Stroke stuff

Meine Reha in Kittsee – Im sicheren Hafen eintreffen

Bild von Karen Arnold auf Pixabay 

Obwohl ich nun doch schon einige Rehas hinter mir habe, lässt sich keine davon wirklich mit dieser hier in Kittsee vergleichen. Meine Erwartungshaltung war anfangs recht bescheiden, hatte ich bei meiner letzten Reha doch sehr negative Erfahrungen gemacht. Bereits nach drei Tagen fühlte ich mich in Kittsee so wohl, dass es sich sogar ein bisschen nach zu Hause anfühlte. Eine Reha-Mitstreiterin nannte es „Den sicheren Hafen“. Besser könnte ich es auch nicht beschreiben. Das Gefühl mit den Ansprüchen der „normalen“ Welt nicht mitzukommen, pausiert für ein paar Wochen. Ein Ort um wieder Kraft zu tanken und Körper und Geist wieder eins werden zu lassen.

Dies lag natürlich nicht zuletzt an unserer Tischrunde. Alle samt viel zu jung, für die Krankheiten, die sie hinter sich haben bzw. noch immer bewältigen.  Jede ihrer Geschichten auf unterschiedlichsten Weise unglaublich berührend. An diesem Ort haben wir jedoch alle etwas gemeinsam. Keiner ist ohne einen Grund hier. Jeder hat ein massives gesundheitliches Problem, das sich auf unterschiedlichste Weise äußert. Hier muss sich keiner verstellen oder etwas vorspielen. Dieses Gefühl war enorm befreiend und entspannend. So, aber nun zu meiner Bewertung.

Über Kittsee im Allgemeinen kann ich folgendes sagen:

Kittsee ist ein netter, kleiner Ort, ganz nördlich im Burgenland, kurz vor der slowakischen Grenze. Es ist die größte Marillengemeinde in Österreich.  Mit dem Zug ist man in wenigen Minuten in Bratislava, was einen Ausflug am Wochenende sehr nahelegt.

Nicht weit vom Zentrum befindet sich die Schokoladenfabrik der Firma Hauswirth, wo man in einem kleinen Verkaufsraum Schokoladenbruch erwerben kann. Aber Achtung, es besteht eine echte Gefahr für die Figur. Mein Ziel im Rahmen dieses Aufenthaltes 2kg abzunehmen, warf ich recht schnell weder über Board.

Mit dem Auto erreicht man in fünf Minuten ein kleines Einkaufszentrum. Dort ist so ziemlich jedes Lebensmittelgeschäft vertreten, aber auch ein DM, Depot, Action, Ströck uvm.. Das Rehazentrum bietet zudem fast jedes Wochenende Einkaufsfahrten zu verschieden Einkaufsmöglichkeiten an. Zudem sehr zu empfehlen ist das Bistro Hana, das nur 3 Gehminuten vom Rehazentrum entfernt ist. Das Ambiente ist äußerst ansprechend und auch das Essen schmeckt sehr gut.  

Kleines aber feines Rehazentrum

Was mir hier besonders gut gefiel, war, dass alles sehr zentral gelegen war und keine Marathone zu den Therapieräumen zurückgelegt werden mussten. Teilweise sind Therapieräume in den Stockwerken direkt bei den Patientenzimmern platziert.  Besonders toll fand ich, dass Angehörige zu einem fairen Preis im Rehazentrum übernachten können, inkl. Frühstück.

Essen und Servicepersonal

Das Essen im Rehazentrum Kittsee ist einfach herrlich. Alles wirkt Frisch gekocht ohne Verwendung von Fertigprodukten. Es besteht die Möglichkeit aus drei verschiedenen Gerichten zu wählen – Hausmannskost, einem leichteren Gericht und einem vegetarischen. Es gab kein Essen, das mir nicht schmeckte.  Auch auf Sonderwünsche wird so gut wie möglich eingegangen.

Das Servicepersonal war unglaublich freundlich und zuvorkommend. Man fühlt sich sehr gut aufgehoben. Zudem wird bei der Platzierung der Leute im Speisesaal auf das Alter geachtet, was uns natürlich sehr willkommen war. Auch das junge Team der Rezeption war stets freundlich und hilfsbereit. Im gesamten Zentrum herrschte eine gewisse Leichtigkeit, was ich als sehr angenehm empfand.

Es erwartete mich ein umfangreiches Therapieangebot.

Die Neuropsychologische Beratung und die Sozialberatung waren beide top. Im Zuge der neuropsychologischen Beratung fand ich einige lang ersehnte Antworten. Es wurden stets die richtigen Fragen gestellt. Etwas zu verstecken war kaum möglich. Auch die Sozialberaterin war einfach toll, man fühlt sich sehr gut betreut und vor allem gesehen. Es scheinte so, als wäre man nicht nur eine Nummer. Stattdessen wurden alle Gedanken und Ängste sehr ernst genommen. Ich konnte dementsprechend einige wertvolle Tipps mit nach Hause nehmen.

Bewegungstherapien

Fast jeden Tag wurde man zum Ausdauertraining in den Bewegungsraum gebeten. Dieser bot Ergometer, Laufband, Motomed, Beinpresse und dazu noch ein paar Geräte für Armtraining. Diesen Raum konnte auch abends und an den Wochenenden genutzt werden. Zudem verfügt das Therapiezentrum über ein, meiner Meinung nach, gut ausgestattetes Ganglabor mit FES, Galileo, SRT, Biodex, Armeo, Amadeo, usw..

Die Therapeuten waren stets darum bemüht, einen zur Bewegung zu animieren. Ein bisschen fühlte man sich schon wie in einem Boot Camp. Bei der Diversität hingegen hielt sich die Leidenschaft des einen oder anderen Therapeuten etwas in Grenzen. Von 10 Physio-Einzeltherapieeinheiten trainierte ich in sechs davon, nur an den Geräte im Bewegungsraum, die man auch alleine machen konnte. Unter Einzeltherapie stelle ich mir etwas anderes vor.

Das Unterwassergehtraining stellte eine Ergänzung zur Physiotherapie dar, was ich als sehr angenehm empfand. Leider war die gesamten vier Wochen meines Aufenthalts die Gegenstromanlage kaputt. Fast täglich bekam man zudem ein bis zwei Gruppentherapien eingeteilt. In meinem Therapieplan waren dies Kranken- und Heilgymnastikgruppe, Wirbelsäulen-Gruppe und Koordinationsgruppe (unterschiedliche Gruppen je nach Schwierigkeitsgrad).

Die Ergotherapie umfasste eine wöchentliche Einzeltherapie, sowie eine, für meine Verhältnisse sehr anspruchsvolle, Motorikgruppe. Meine Lieblingstherapie war die sogenannte „Kreative Beschäftigungstherapie-Gruppe“. Da ich basteln liebe, war es genau das richtige für mich. Zudem wurde auch eine Musiktherapie angeboten, von der ich nur gutes hörte, die aber leider nicht auf meinem Plan stand.

Entspannende Therapien kamen ebenso wenig zu kurz. Die drei Massage-Termine und die wöchentliche Entspannungsgruppentherapie in Form einer progressiven Muskelentspannung und einer Phantasiereise fand ich natürlich besonders angenehm. Das Therapieangebot wurde des Weiteren durch sechs Schulungen zu Themen wie Stress, Ernährung, Medikamente usw. ergänzt.

Alles in allem fühlte ich mir im Neurologischen Therapiezentrum Kittsee sehr gut betreut und äußerst wohl. Man wird mich dort definitiv wieder sehen.

Eure Erika

3 Kommentare zu “Meine Reha in Kittsee – Im sicheren Hafen eintreffen

  1. Regina Wagner

    Liebe Erika ich muss auch sagen das die Therapie Dir sehr gut getan hat…man merkte es dir an das Du ….viel freier gewirkt hast … viel beweglicher …..und auch .viel gelassener…..und auch die Menschen dorten die Dich bewegt haben… es hat Dir einfach gut getan …und das ich das mit Freuden verfolgt habe ..ich hatte Dich ja einmal besucht und das was ich gesehen habe dort…hat mich auch sehr beeindruckt….Freue Dich auf nächstes Jahr…liebe Grüße Regina

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  2. Hi,
    hört sich wie meine Reha in Wien an – ich habs sie im Oktober ambulant gemacht da ich eh in Wien wohne. Ich hatte auch eine tolle Runde und die Therapien waren super! Meine Physio macht jetzt privat bei mir weiter (Akkupressur im Ohr gegen meine Angst/Innere Unruhe). Und meinem Neuropsychologen konnte ich auch nichts verheimlichen 😉 Mir haben die 4 Wochen gut geholfen, aber ich habe zum Glück nur kleine Einschränkungen zurückbehalten. Diese Vorträge hatte ich auch. Mir haben sie gut gefallen.
    Ich freu mich deinen Blog gefunden zu haben 🙂
    GLG, Geraldine

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    • Hallo liebe Geraldine,
      das freut mich sehr zu hören, dass dir deine Reha auch gut getan hat! Freue mich dich als Leserin meines Blogs gewonnen zu haben! 🙂 Wünsche dir weiterhin alles Gute! Liebe Grüße, Erika

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