Body & Soul Stroke stuff

Schlaganfallfolgen über die man nicht spricht

Bild von Anastacia Cooper auf Pixabay

Der Oktober war ja bisher sehr mager seitens Mrs. Stroke. Nicht nur in meinem Job ist der Herbst immer besonders stark, sondern auch für meine Gesundheit heißt es nun wieder Vollgas. Seit kurzem befinde ich mich auf Reha im Neurologischen Therapiezentrum Kittsee, worüber natürlich noch ein eigener Beitrag folgen wird. Aber jetzt erstmal einer der mir besonders am Herzen liegt und zwar die Schlaganfallfolgen, über die eher weniger bis gar nicht gesprochen wird.

Welche Folgen eines Schlaganfalls sind es also, die einem vielleicht nicht so bewusst sind?

Emotionen, Emotionen und noch mehr Emotionen

Lange Zeit war es mir nicht bewusst, dass diese extremen Stimmungsschwankungen eine Folge des Schlaganfalls sein könnten. War ich doch immer schon ein sehr emotionaler Mensch. Immer wieder lese ich in diversen Schlaganfallgruppen, z. b. auf Facebook, davon, dass viele Betroffene Veränderungen im Empfinden ihrer Emotionen festgestellt haben. Und tatsächlich kann es auch zu Veränderungen der Persönlichkeit kommen, laut medizinischer Literatur. Eine mangelnde Frustrationstoleranz oder auch emotionale Labilität, wie zum Beispiel ein leichter Wechsel von Fröhlichkeit zu Reizbarkeit oder Wutausbrüchen, sind nach einem Schlaganfall durchaus üblich.

Man ist danach beispielweise sehr nahe am Wasser gebaut und fängt bei jeder Kleinigkeit sofort an zu weinen, egal ob durch Trauer oder Rührung. Oder man ist in einem Moment noch super gut gelaunt, doch im nächsten überkommt einem ein Wutanfall der Sonderklasse, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es eben früher war. So geht es zumindest mir oft. Zudem habe ich oft das Gefühl, Emotionen anderer besonders intensiv wahrzunehmen, zum Beispiel wenn zwischen zwei Personen bei einem Gespräch eine extreme Anspannung herrscht.

Da gerade Emotionen eine sehr wesentliche Rolle im allgemeinen Wohlbefinden spielen, werde ich mich vermutlich noch oft zu diesem Thema hier äußern. Auf der Website www.ratgeber-neuropsychologie.de habe ich hierzu eine sehr interessante und aufschlussreiche Info zu Persönlichkeitsänderungen nach einer Hirnschädigung gefunden: https://www.ratgeber-neuropsychologie.de/persoenlichkeit/PV.pdf. Reinlesen lohnt sich auf jeden Fall.

Die Leichtigkeit geht verloren

Eigentlich offensichtlich, aber verdient trotzdem einen Platz in meiner Aufzählung, da es so viele Kleinigkeiten sind, an die vermutlich niemand denkt. Es sind jene Probleme, mit denen viele Menschen erst dann konfrontiert werden, sobald sie älter werden. Erleidest du jedoch in jungen Jahren bereits eine körperliche Einschränkung, durch was auch immer, stehst du diesem Problem plötzlich auch gegenüber. Du kannst dich auf deinen Körper nun nicht mehr verlassen. Am einen Tag kletterst du noch unbeschwert auf einen Baum oder besuchst problemlos einen Freizeitpark und dann ist auf einmal alles anders.

Bild von Enrique Meseguer auf Pixabay 

Gerade erst halbwegs zurück ins Leben gefunden stellt man fest, dass so einiges nicht mehr geht und das wird sich vermutlich auch nicht mehr ändern. Dinge die man zuvor für völlig problemlos hielt, wie zum Beispiel Schuhe zubinden, sich einen Zopf binden oder das Anziehen einer Hose sind nun zu Herausforderungen geworden. Plötzlich ist es eben keine Selbstverständlichkeit mehr, ob eine Beschäftigung machbar ist oder nicht. Stattdessen erfordert jede außergewöhnliche Freizeitaktivität gründlichste Planung. Schnell mal in die Halbschuhe schlupfen oder ohne sich Gedanken zu machen, einen spontanen Waldspaziergang zu machen, fällt nun eher weg. Zuvor war es noch keine Frage, ob man einen Tag im Shoppingcenter schafft oder nicht. Gerade dieser Punkt, zuvor etwas noch gekonnt zu haben, was nun nicht mehr geht, ist ein immenses Dilemma für viele. Und lässt nicht gerade wenige Betroffene sogar in eine Depression schlittern.

Ein sehr unangenehmes Thema, das man womöglich lieber nicht anspricht, ist Inkontinenz. Leider sind es auch diese Dinge, die viele Schlaganfallpatienten und natürlich auch andere bewältigen müssen. Ich mach mir vor Lachen gleich in die Hose, ist für manche dann keine scherzhafte Bemerkung.

Ich hoffe ich konnte mit diesem Beitrag ein bisschen zur Aufklärung von Schlaganfallfolgen beitragen und natürlich, dass er Gefallen bei euch gefunden hat.

Eure Erika

2 Kommentare zu “Schlaganfallfolgen über die man nicht spricht

  1. schön, deine Bekanntschaft als Reha-Tischgefährtin gemacht zu haben – du bist eine Bereicherung für unsere Tischgemeinschaft, liebe Erika!

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