Stroke stuff

Doppelte Bypass-OP im Alter von 11 Jahren

Nachdem relativ schnell ein Operationstermin festgelegt wurde, verlegten sie mich auf die Kinderstation des AKH in Wien. Dort waren so viele Kinder mit den schwersten Krankheiten, es war einfach unglaublich. Den kleinen Dominik schloss ich damals besonders in mein Herz. Er war nicht einmal ein Jahr alt und hatte bereits einen Gehirntumor. Dann war da auch noch Ruth aus Vorarlberg, die einen Tumor im Nacken hatte, der ihr im Rahmen einer zwölfstündigen Operation herausoperiert werden musste.

Am letzten Tag vor dem geplanten Eingriff wurde mir noch einmal „Ausgang“ gewährt. Diesen verbrachte ich mit meiner Familie im Tierpark Schönbrunn. Mit meiner halbseitigen Lähmung war das zwar nicht gerade einfach, aber trotzdem behielt ich diesen Tag als sehr schöne Erinnerung in meinem Gedächtnis.

Dann wurde die Operation doch noch einmal verschoben

Am Tag an dem die OP nun anberaumt war, kam der Arzt zu uns, der diese durchführen sollte – Dr. Ferraz-Leite, eine Koryphäe in der Neurochirurgie. Sichtlich erschöpft erzählte er uns, er habe gerade beinahe zwanzig Stunden operiert, da etwas unerwartet länger gedauert habe. Er fragte uns, ob es in Ordnung wäre, den Termin zu verschieben. Er wäre nun nicht mehr in der optimalen Verfassung so eine OP durchzuführen. Meiner Mutter war sofort klar, dass sie das Risiko, dass etwas schiefgehen könnte, nicht eingehen wolle. Somit wurde der Termin verschoben und weiteres Warten war angesagt. Auch in meiner Zeit im AKH in Wien kam meine Mutter fast täglich zu mir und das, obwohl diese Stadt für sie damals eine enorme Herausforderung darstellte.

Dann war er da, der Tag an dem meine Bypass Operation stattfinden sollte. Meine Mutter wurde davor darüber aufgeklärt, dass es möglich sei, dass ich während der OP einen weiteren Schlaganfall erleide und ich daran sterben könne. Das erzählte sie mir natürlich erst viel später. Die entsprechende Einverständniserklärung zu unterschreiben, musste einfach schrecklich für sie gewesen sein. Mir wurde nur mitgeteilt, dass sie ein kleines Stückchen meiner Haare rasieren müssten, lediglich ein paar Quadratzentimeter, man würde es kaum merken.

Neunstündige Bypass-Operation

Die neun Stunden, während der OP, waren für meine Mutter fast unerträglich, wie sie mir später berichtete. Ich ließ einfach nur alles über mich ergehen und vertraute darauf, dass die Ärzte schon alles richtigmachen würden. Angst verspürte ich erst, als ich für die OP umgebettet wurde. Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, wie ich damals alles so locker nehmen konnte.

Ich erinnere mich daran, dass ich auf der Intensivstation aufwachte. Offensichtlich war alles gutgegangen. Da das Bett wieder dringend benötigt wurde, verlegten sie mich noch am selben Tag zurück auf die normale Station. Es war mitten in der Nacht, meine Mutter übernachtete auf einem Nebenbett in meinem Krankenzimmer, die sichtlich erstaunt darüber war, dass ich bereits so früh zurück gebracht wurde . Etwas komisch war es jedoch schon für mich, dass ich so kurz nach der OP schon wieder aufstehen musste, um in mein Krankenbett zu gelangen.

Ein großer Schock nach der OP

Manche Momente prägen sich so derart ein, dass man sie nie vergessen wird. Immer wieder wenn man sich daran zurück erinnert, fühlt es sich so an, als wäre es erst vor kurzem gewesen. Einer davon ist jener, also ich mich nach der OP das erste Mal im Spiegel sah. Eine Krankenschwester begleitete mich auf die Toilette und sagte noch vorher zu mir, ich solle mich gut an ihr festhalten, falls ich mich erschrecken würde. „Warum solle ich mich denn erschrecken?“, fragte ich mich, da es ja nur ein paar Quadratzentimeter sein dürften.  „Ein bisschen mehr mussten wir wegnehmen“, wurde mir bei der Visite lediglich mitgeteilt. Aber was kann denn schon „ein bisschen mehr“ sein?

Als ich mich dann im Spiegel sah, kippte ich tatsächlich fast um. Ca. ein Drittel meines Schädels war abrasiert und eine lange gekrümmte Naht mit 27 Hafte erstreckte sich darüber. Ich fühlte mich komplett entstellt. Ich sah aus wie ein Monster. Wie soll man diese Narbe nur später verstecken können? Tränen schossen mir in die Augen. Stets nach dem Motto „Was dich nicht umbringt, macht dich stärker.“, versteckte ich meine Gefühle und versuchte, es mir nicht anmerken zu lassen.

Dann durfte ich endlich wieder nach Hause

Ziemlich schnell erholte ich mich von dem Eingriff und nach insgesamt 8 Wochen Krankenhaus-Aufenthalt durfte ich endlich wieder endgültig nach Hause. Solange meine Haare noch nicht ausreichend nachgewachsen waren, kämmte ich sie mittels eines seitlichen Scheitels von der linken auf die rechte Seite. Das funktionierte relativ gut, sodass man die Narbe kaum sah.

Meine Mutter organisierte eine mobile Physiotherapeutin, die regelmäßig zu uns nach Hause kam. Die Lähmung in meinem Gesicht verbesserte sich am schnellsten, bei Arm und Bein gestaltete sich das ganze etwas schwieriger. Daher stand als nächstes ein Rehabilitationsaufenthalt am Plan.

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