Body & Soul

Die Dos und Don’ts beim Trösten

Kennt ihr das, wenn ihr euch jemandem anvertraut und von euren Gefühlen/Problemen erzählt und diese Person dann mit Sätzen wie „Mir geht’s doch genauso!“ oder „Was soll ICH denn da bitte sagen?“ kontert? So eine Reaktion ist für mich, jedes Mal wieder ein Schlag ins Gesicht.

Gerade in Bezug auf meine Behinderung, habe ich oft das Problem, nicht so richtig verstanden zu werden. Wenn ich zum Beispiel körperlich uneingeschränkten Menschen davon erzähle, was mir Sorgen bereitet, passiert mir so etwas oft. Beispielsweise, dass mir die Hausarbeit oder das Anziehen durch meine Beeinträchtigung bereits schwer fällt oder, dass ich mich eigentlich nie richtig fit fühle.

Du hast ja eh nichts! Schau dir andere an!

Es fallen dann Phrasen wie „Bei dir fällt das ja nicht einmal wirklich auf, das kann ja gar nicht so schlimm sein“ oder „Du hast ja eh nix, schau dir andere an“. Natürlich ist ein Mensch der dauerhaft mit Krücken geht, im Rollstuhl sitzt oder gar Krebs hat, wesentlich schlechter dran als ich, das ist mir mehr als bewusst.

Mir ist klar, dass es natürlich Gründe für diese Aussagen gibt. Man möchte damit vielleicht ausdrücken, dass alles eh nicht so schlimm ist, wie man gerade denkt. Aber die Gefühle sind nun mal da und sie verschwinden definitiv nicht durch solche Sätze. Gibt es überhaupt Menschen, denen diese weiterhelfen? Ich bin zumindest immer wieder aufs Neue fassungslos, wenn solche Aussagen von Menschen kommen, die einem sogar nahestehen und die man gern hat.

Ich fühle mich mit solchen Floskel ehrlich gesagt, einfach nur mundtot gemacht bzw. gering geschätzt und nicht für ganz voll genommen.  Als wolle man mir sagen: „Jetzt hör doch auf zu jammern! Dir geht es eh gut! Wende dich lieber meinen Problemen zu, die viel schlimmer sind!“

Was dich nicht umbringt, macht dich nur stärker!

Als ich genauer darüber nachdachte, woher man diese Art zu trösten eigentlich lernen könnte, bin ich auf Sätze aus meiner Kindheit gestoßen. Da hörte man oft diese gut gemeinten Floskeln wie „Ein „Indianer“ kennt keinen Schmerz!“, „Was dich nicht umbringt, macht dich nur härter!“, „Reiß dich halt zusammen“ oder „Deshalb musst du jetzt doch nicht gleich weinen.“. Aber anstatt dadurch stärker zu werden, wird man oft einfach nur verletzlicher und das Bedürfnis nach Trost und Wertschätzung steigt stets weiter.

Also Hobby-Psychologin mutmaße ich zwei Möglichkeiten, wie es nach so einem Ratschlag weitergeht. Entweder man distanziert sich von Personen, die einem immer wieder mit solchen Antworten kommen oder man beginnt noch mehr zu „jammern“. Da man sich ja nicht verstanden fühlt, möchte man doch weiterhin klar machen, wie es einem geht und somit dreht sich das Rad immer weiter.

Was hilft also wirklich, wenn man sich gerade schlecht fühlt und man ein paar wohltuende Worte und Trost braucht?

Ich für meinen Teil, habe in den letzten Jahren versucht, die Kunst des Tröstens zu perfektionieren. Stets nach einem Satz von Mahatma Gandhi „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht in der Welt“.  Daher bin ich mittlerweile auch oft Anlaufstelle für Menschen, die sich jemandem anvertrauen möchten. Für mich ist es eine Ehre, wenn mir plötzlich jemand etwas extrem persönliches von sich anvertraut. In solchen Situationen versuche ich stets mein Bestes zu geben.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Verharmlosungen und Ratschläge hier meist fehl am Platz sind. Auch anschließend gleich von sich selbst zu reden, ist keine so gute Idee. Wenn man hier über sich spricht, dann nur, wenn man darüber berichten möchte, wie man so ein Problem auch selbst bereits gelöst hat. Natürlich gibt es hierfür keine allgemein gültige Anwendungsregel, aber grundsätzlich würde ich aus meiner Sicht folgendes vorschlagen: Das Problem anerkennen und nicht so zu tun als wär es eigentlich keines, also keinesfalls hinunterspielen.

Zuhören! Zuhören! Zuhören!

Das aller, aller Wichtigste: Der Person das Gefühl vermitteln, dass man zuhört und verstehen möchte! Am besten funktioniert das, durch Nachfragen und einfach reden lassen. Damit vermittelt man sein Interesse und Verständnis. Auch nicht nach dem ersten Satz gleich wieder versuchen, die Person zu unterbrechen! Wenn es zum Beispiel um Ängste geht, dann eventuell Nachfragen, bei welchen Situationen z. B. die Gefühle/Ängste denn genau auftreten. Zwischenzeitlich ein „Das glaube ich dir.“ oder „Das kann ich verstehen.“ zu erwidern, schadet natürlich auch nicht. Und wenn Worte nicht helfen, dann hilft eines meist bestimmt: Eine liebevolle Umarmung.

4 Kommentare zu “Die Dos und Don’ts beim Trösten

  1. Birgit Fleissner

    Hallo, liebe Erika!
    Du hast vollkommen recht. Es ist halt oft so, dass eben die Leute nicht wissen, was sie sagen oder tun sollen. In der Hilflosigkeit machen sie oft unpassende Bemerkungen. Ganz schlimm ist es, wenn man von der Beeinträchtigung nichts sieht oder wenn es sich um psychische Dinge handelt, die immer noch stigmatisiert sind.
    Liebe Grüße, Birgit

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    • Regina Wagner

      Liebe Erika…ich finde es so mutig hier alles zu sagen …was Dich bewegt wie Du fühlst und Denkst …Du kennst mich Du weisst wie ich bin ..Ich wünsche Dir das Du nur positiven Menschen begegnest in Deinem Leben .so viele Menschen haben keinen Respekt mehr ….laufen mit geschlossenen Augen durch die Welt…erkennen keine Nächstenliebe mehr und haben selbst keine mehr …aber man kanns wie du es zeigst …Liebe Grüße Regina

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      • Liebe Regina,
        danke für deine lieben Worte. 🙂 Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass viele Menschen mit ihrem eigenen Leben zu sehr beschäftigt sind und sich nicht auch noch um andere annehmen wollen, ohne böse Absichten. Ich hoffe ich konnte mit diesem Artikel einen Beitrag zu mehr qualitativer Kommunikation leisten.
        Liebe Grüße, Erika

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    • Hallo Birgit,
      das stimmt, gerade bei psychischen Erkrankungen fällt mir diese Problematik besonders oft auf. Gerade diese Hilflosigkeit der Menschen hat mich zu diesem Beitrag bewegt.
      Liebe Grüße, Erika

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