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Drei Städte zum Verlieben – Handicap-Check Paris

Passend zur Urlaubs-Hochsaison, möchte ich mit euch die Erfahrungen meiner letzten Reisen teilen. Ich bin ein großer Fan von kurzen Städtereisen, aber bei der Planung einer solchen, gibt es so einiges zu bedenken. Daher plane ich Reisen meistens bis ins kleinste Detail, um vor Ort nicht negativ überrascht zu werden.

Ein wichtiges Kriterium ist für mich immer, nicht allzu weit zu Fuß gehen zu müssen. Im Urlaub bin ich zwar wesentlich entspannter als im Alltag, trotzdem habe ich nur ein gewisses Kontingent pro Tag, welches ich zurücklegen kann. Entsprechend lange Sitzpausen zwischen den Gehzeiten sind für mich sehr wichtig und diese plane ich dementsprechend im Voraus schon mit ein. Ansonsten passiert es mir schon manchmal, dass sich meine Hüfte und mein Knie so verkrampfen, dass ein Weitergehen kaum mehr möglich ist.

Innerhalb des letzten Jahres habe ich drei Städte besucht: Paris, Amsterdam und Bratislava. Jede dieser Städte ist auf ihre eigene Art und Weise einfach unglaublich beeindruckend und definitiv zu empfehlen, egal ob mit oder ohne ein Handicap wie meines.

Unser erstes Ziel in diesem Jahr war Paris.

Diesen Wochenend-Trip haben mein Mann und ich von meinem Schwiegervater und seiner Lebensgefährtin zur Hochzeit geschenkt bekommen. Diese Stadt hat mich ganz besonders beeindruckt. Ist ja auch Paris – die Stadt der Liebe. Wir übernachteten im Hotel Pastel. Wirklich eine niedliche Unterkunft, einziges Manko: Die Zimmer waren winzig. Ich würde jetzt mal behaupten, für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer absolut nicht geeignet. Zu zweit in so einem Zimmer, stand man sich ständig im Weg.

Bei Städtereisen nutze ich sehr gerne Sightseeing Busse. Sind zwar nicht ganz billig, man kommt jedoch direkt zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten und muss nicht von einem Öffi zum anderen laufen. Am ersten Tag unserer Reise setzten wir uns also in einen solchen und verschafften uns somit einen groben Überblick.

In Paris tat ich dann etwas, das ich mich zuvor noch nie getraut habe.

Immer schon wollte ich ins Louvre. Mir war jedoch klar, dass ich es niemals zu Fuß schaffen würde, dieses riesige Gebäude mit seinen unzähligen Kunstwerken zu besichtigen. Jedoch wollte ich auch meinen Mann nicht davon abhalten, der es sich unbedingt ansehen wollte. Dieser hätte mich aber auch niemals alleine im Kaffee sitzen lassen. „Vielleicht wäre es doch möglich, sich einen Rollstuhl auszuborgen“, sagte ich scherzend. Doch dann erschien uns die Idee als gar nicht mal so schlecht und wir fingen an zu recherchieren. Und tatsächlich bietet das Louvre einen tollen Rollstuhl-Verleih-Service an.

Dieser Schritt war immer eine sehr große Hemmschwelle für mich.

Einerseits, da ich immer alles ohne Hilfsmittel und ohne Hilfe anderer schaffen möchte und andererseits wollte ich mich nicht ärmer darstellen als ich eigentlich bin. Immer wieder bekomme ich von Menschen zu höre, ich solle mich nicht so anstellen, ich hätte ja eh nichts. Nach über einem Kilometer zu Fuß, sieht das zwar eh keiner mehr so, aber trotzdem haben sich solche Aussagen in mein Unterbewusstsein eingebrannt. Die Angst davor, dass sich jemand denken könnte – die braucht das ja eh nicht, wozu setzt sich die in einen Rollstuhl – war bislang einfach zu groß. Also machte ich Aktivitäten, die ich zu Fuß nicht schaffte, dann lieber gar nicht.

Im Endeffekt habe ich es dann aber getan und es war wirklich eine tolle Erfahrung.

Dieser Service im Louvre ist für Menschen wie mich Gold wert. Man hinterlegt einfach als Sicherheit seinen Pass und bekommt einen Rollstuhl zur Verfügung gestellt, für den man nicht einmal eine Gebühr entrichten muss. Und die Besucher nehmen auch noch Rücksicht auf einen, wenn man im Rollstuhl unterwegs ist. Als hinkender Mensch, bekommt man oft nur angewiderte Blicke und wird sogar angerempelt. So fühlt es sich für mich zumindest oft an. Ein weiterer Vorteil mit dem Rollstuhl im Louvre – man darf direkt vor die Mona Lisa fahren. Da ich ja vorher immer der Meinung war, das würde mir niemals möglich sein, rührte mich dieser Moment fast zu Tränen. Wie man vielleicht schon mitbekommen hat – ja, ich bin in solchen Dingen leider sehr nahe am Wasser gebaut.

Wer den Eiffelturm hinauffahren möchte und nicht gut zu Fuß ist, sollte sich einen Klappstuhl mitnehmen, da man bei großem Andrang wirklich sehr lange warten muss. Da es bei uns sehr nebelig war, hatten wir „Glück“ und wir haben nur ca. eine Stunde gebraucht, bis wir im Waggon saßen. Es hat sich jedoch definitiv ausgezahlt!

Ein großer Nachteil in Paris sind die U-Bahnen

Ein großer Nachteil von Paris sind meiner Meinung nach die U-Bahnen. Wir konnten zwar meistens einen Sitzplatz ergattern, aber so viele Stufen wie in Paris, habe ich gefühlt, in meinem ganzen Leben noch nicht bewältigt. Und gerade Stufen steigen, ist für mich eines der schwierigsten Dinge überhaupt, die ich so gut es geht, versuche zu vermeiden. Ich gehe davon aus, dass es Lifte zu den U-Bahnen in Paris gibt, gesehen habe ich jedoch keinen einzigen und auch keine entsprechende Beschilderung. Auch Rolltreppen waren eher eine Seltenheit. Da es den Anschein machte, als sei der Weg zu Liften oder Rolltreppen, durch die Distanz vermutlich genauso beschwerlich, als einfach die Treppen zu benutzen, suchten wir erst gar nicht danach. Mit dem Bus zu fahren, wäre vermutlich eine bessere Alternative gewesen.

Mein Fazit von Paris ist dementsprechend, dass es sich um eine wunderschöne und sehr sehenswerte Stadt handelt, die ohne entsprechender Planung jedoch nicht ganz einfach zu besichtigen ist. Da es für mich ein extrem anstrengender Wochenend-Trip war, sollte man mit Handicap eine derartige Reise, im Voraus bereits sehr gut durchdenken und das Bussystem sehr genau studieren.

1 Kommentar zu “Drei Städte zum Verlieben – Handicap-Check Paris

  1. Pingback: Handicap-Check Amsterdam und Bratislava – Mrs. Stroke

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