Body & Soul Stroke stuff

Die Kunst des Verbergens – Wie du es schaffst, mit einer spastischen Hemiparese nicht aufzufallen!

Wenn man mit einer spastischen Hemiparese lebt, dann gibt es gute und schlechte Tage, so wie das bei jedem von uns ist. An den schlechten Tagen fühlt es sich so an, als würde man jede Sekunde versuchen, die Krämpfe im Zaum zu halten und das fällt dann meistens auch auf.

An guten Tagen, kann es sogar vorkommen, dass es dem ein oder anderen nicht gleich auffällt.

Sagt dann jemand zu mir, er/sie habe/hätte es bislang ja gar nicht bemerkt, ist das für mich wie ein Touchdown im American Football. Ein enormes Gefühl der Glückseligkeit, sodass es fast nicht zu glauben ist und man eigentlich nur von einer Lüge ausgehen kann. Eine Frage stelle ich mir dann jedes Mal: Könnte ich es endlich geschafft haben, es gut genug zu verbergen?

Wie schafft man es also, es richtig zu verbergen?

Als Teenager und auch später noch, versuchte ich, um jeden Preis zu verhindern, dass jemandem mein Hinken oder meine Lähmung bzw. Spastik in der linken Hand auffiel. Dafür gibt es so manche Tricks. Immer ganz hinten in einer Gruppe gehen, niemals vor jemandem Stiegen steigen, immer etwas in der linken Hand halten oder die Handtasche so tragen, dass die Spastik nicht gleich ins Auge fällt. Mit den richtigen Tricks ist es also tatsächlich möglich, Menschen so von seinem Handicap abzulenken, dass diese erst gar nicht hin schauen.

Denn sobald es jemand bemerkte, fühlte ich mich automatisch „abgestempelt“. Danach war ich für diesen Menschen nur mehr diejenige mit der Behinderung, der man stets diesen speziellen mitleidigen Blick zuwirft. Und wenn ich eines definitiv nicht möchte, dann ist es bemitleidet zu werden. Vielmehr möchte man doch, dass über einen gesagt wird, man sei stark, selbstbewusst und bewundernswert.

Aber warum eigentlich verbergen, frage ich mich heute.

Meine Beeinträchtigung zeigt doch, dass ich es geschafft habe, einen derart heftigen Schlaganfall zu überstehen. Es spiegelt wider, dass man es mit Unmengen an Therapiestunden und Trainingseinheiten bis hier her geschafft hat. Man sollte nichts verstecken müssen, sondern stattdessen stolz auf sich sein dürfen. Egal ob es um eine Behinderung, um Übergewicht oder um einen anderen Schönheitsmakel geht, der vom stets suggerierten Schönheitsidealbild abweicht.

Mittlerweile ist mir klar geworden, dass meine Weise zu gehen und meine spastische Lähmung in der linken Hand, zu mir gehören, wie mein Herz. Es ist Teil meiner Geschichte und meiner Persönlichkeit.

Es verdeutlicht den Kampf, den ich geführt und gewonnen habe!

Wenn ich die Zeit nochmals zurückdrehen könnte, würde ich jedes Mal voller Selbstbewusstsein über einen Hauptplatz oder durch ein Einkaufszentrum gehen, ohne zu hoffen, dass niemand her schaut. Voller Stolz würde ich mir stattdessen denken: „Schaut her! Ich lebe mit den Folgen eines Schlaganfalls und mag mein Leben trotzdem! Und egal was ihr darüber sagt oder wie ihr schaut, es kann nichts daran ändern!“

4 Kommentare zu “Die Kunst des Verbergens – Wie du es schaffst, mit einer spastischen Hemiparese nicht aufzufallen!

  1. Einfach stark. Bravo

    Liken

  2. Beatrix Gamsjaeger

    Man kann dich nur bewundern.

    Liken

  3. Sehr ergreifend und authentisch! 👍

    Liken

  4. Pingback: Wo sind die Menschen mit Behinderung in der Werbung? – Mrs. Stroke

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: