Stroke stuff

Mein kleiner Weltuntergang…

Für das Jahr 2000 prophezeite uns so mancher einen bevorstehenden Weltuntergang. Obwohl dieser dann zwar doch nicht eintrat, brachte dieses Jahr für mich tatsächlich so etwas wie einen kleinen Weltuntergang mit sich. Denn nach dem 2. Juni 2000 sollte mein Leben grundlegend anders aussehen.

Ich erinnere mich an diesen Moment als wär es erst gestern gewesen. Unsere Klasse hatte gerade Turnstunde und wir hatten eben einen Kilometerlauf hinter uns gebracht – die sogenannte Rosenaurunde. Wir spazierten über den Sportplatz auf dem Weg zur nächsten geplanten Aktivität. Zuvor klagte ich zwar des Öfteren über Kopfschmerzen und hatte auch bereits einen MRT-Termin, jedoch rechnete niemand mit dem, was tatsächlich auf mich zukommen sollte.

Wie ein Hammer mit voller Wucht

Wie aus dem Nichts traf mich wortwörtlich der Schlag. Für mich fühlte es sich an, als würde mir jemand mit voller Wucht mit einem Hammer auf meine rechte Schläfe schlagen. Ich fiel zu Boden. Plötzlich hatte ich keine Kontrolle mehr über meine gesamte linke Körperhälfte. Panik stieg in mir hoch.

Eine Freundin bemerkte meinen Sturz und hielt diesen zuerst für einen Scherz. Sie meinte, ich solle aufhören zu spaßen und mich doch zusammen reißen, da wir ja Unterricht hätten. Doch schnell wurde ihr klar, dass es sich leider um keinen Scherz handelte. Sie rief nach unserer Lehrerin, woraufhin sich alle sofort voller Sorge um mich versammelten.

Ich konnte weder Reden noch Schlucken, geschweige denn mich aufrichten. Verzweifelt versuchte ich etwas zu sagen, doch es kam nur Schaum aus meinem Mund. Ein anderer Lehrer eilte zur Hilfe und trug mich zu einem Tisch, worauf er mich ablegte.

Einfach nur schlafen

Die Zeit bis die Rettung eintraf, fühlte sich für mich unendlich lang an. Zudem war ich so derartig müde und wollte einfach nur meine Augen schließen und schlafen. Immer wieder wurde auf mich eingeredet, dass ich unbedingt wach bleiben müsse. Endlich traf der Rettungswagen ein und ich wurde zuerst in unser örtliches Landesklinikum gebracht. Die ganze Fahrt über kämpfte ich gegen die Müdigkeit an.

Während alle Beteiligten im Spital darüber diskutierten, ob sie mich woanders hinbringen sollen und ob dies mit Rettungsauto oder Hubschrauber geschehen solle, wurde mir plötzlich so übel, dass ich mich vor den Füßen aller Ärzte und Rettungssanitätern übergeben musste. Dann wurde mir endlich erlaubt einzuschlafen. Keiner ging zu diesem Zeitpunkt von einem Schlaganfall aus.

Der dunkle Raum, die Angst und die Unfähigkeit meine linke Körperhälfte zu bewegen

Meine nächste Erinnerung ist jene, dass ich in einem völlig dunklen Raum aufwache. Ich wusste nicht, ob es Tag oder Nacht war. Das machte mir Angst, da ich ja auch keinen Plan hatte, was mit mir geschehen war.

Meine linke Hand und mein linkes Bein fühlten sich unbeschreiblich schwer an. Es war mir einfach nicht möglich sie zu bewegen. Mein linkes Auge ließ sich nicht öffnen und mein linker Mundwinkel spielte auch nicht mehr mit.

Komischerweise sind alle Erinnerungen danach eher verschwommen. An das Gespräch mit den Ärzten, in dem sie uns erklärten, dass es sich um einen Schlaganfall handle, erinnere ich mich nur mehr sehr vage. Genauer gesagt war es eine doppelte Dissektion an der rechten Arteria cerebri media , die mein Leben auf den Kopf stellte.

Physiotherapien, Rehas, Orthopädietechniker, Operationen, die regelmäßigen Termine bei meiner Neurologin, Untersuchungen wie MRTs und Ultraschall, die Behandlung mit Botox uvm. wurden an diesem Tag für mich, ein Monat vor meinem 11. Geburtstag, zur Notwendigkeit.

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